
Es gibt Fragen, die bei uns immer wieder auftauchen – und diese gehört definitiv dazu: «Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Stützstrümpfen und Kompressionsstrümpfen?»
Ich kann die Verwirrung gut verstehen. Im Alltag werden beide Begriffe munter durcheinander verwendet. Manche Kundinnen suchen einen Stützstrumpf und meinen eigentlich einen medizinischen Kompressionsstrumpf. Andere möchten für einen langen Flug vorsorgen und denken, sie müssten gleich einen Kompressionsstrumpf Klasse 2 tragen.
Dabei ist der Unterschied eigentlich ziemlich einfach. Und vor allem wichtig: Denn Stützstrümpfe und medizinische Kompressionsstrümpfe haben unterschiedliche Aufgaben.
Schauen wir uns das einmal ohne kompliziertes Medizin-Vokabular an.
Was sind Stützstrümpfe?
Stützstrümpfe sind in erster Linie für Menschen gedacht, deren Venensystem grundsätzlich gesund ist, die ihren Beinen aber im Alltag etwas Unterstützung gönnen möchten.
Typisches Beispiel: Sie sitzen acht Stunden im Büro, stehen den ganzen Tag hinter einer Verkaufstheke oder verbringen mehrere Stunden im Flugzeug, Zug oder Auto. Am Abend fühlen sich die Beine müde und schwer an oder die Schuhe sitzen etwas enger als am Morgen.
Hier können Stützstrümpfe angenehm sein. Der Druck von aussen unterstützt das Bein und wirkt der Neigung zu schweren, müden Beinen entgegen. Sie sind frei erhältlich und werden häufig relativ unkompliziert anhand der Schuhgrösse beziehungsweise einer Grössentabelle ausgewählt.
Und keine Sorge: Mit den hautfarbenen «Gummistrümpfen», die viele noch im Kopf haben, hat das heutige Sortiment wenig zu tun. Moderne Stützstrümpfe gibt es als elegante Feinstrümpfe, Baumwollsocken, Businessmodelle oder farbige Reisestrümpfe.
Typische Situationen für Stützstrümpfe
- langes Sitzen im Büro
- Berufe mit viel Stehen
- Flug-, Auto- und Zugreisen
- müde und schwere Beine ohne bekannte Venenerkrankung
- leichte Unterstützung im Alltag
Bei Reisen gibt es allerdings eine wichtige Feinheit: Spezielle Reisestrümpfe können einen kontrollierten, nach oben abnehmenden Druck besitzen und sind damit häufig wirkungsvoller als ein einfacher Stützstrumpf. Entscheidend ist also immer das konkrete Produkt, nicht nur die Bezeichnung auf der Verpackung.
Und was macht einen medizinischen Kompressionsstrumpf aus?

Hier wechseln wir von der Unterstützung zur Therapie. Medizinische Kompressionsstrümpfe sind dafür konzipiert, einen exakt definierten Druck auf das Bein auszuüben. Dieser ist im Bereich des Knöchels am stärksten und nimmt nach oben kontrolliert ab. Dadurch werden die Venen von aussen unterstützt und der venöse Rückstrom gefördert.
Solche Strümpfe werden beispielsweise bei Krampfadern, venösen Ödemen, nach einer Thrombose oder bei bestimmten Erkrankungen des Venen- und Lymphsystems eingesetzt. Welche Versorgung geeignet ist, hängt von der Diagnose ab.
Medizinische Kompressionsstrümpfe gibt es in unterschiedlichen Kompressionsklassen. In der Schweiz benutzen wir besonders häufig:
- Kompressionsklasse 1: leichter medizinischer Kompressionsdruck, beispielsweise bei leichteren venösen Beschwerden.
- Kompressionsklasse 2: deutlich kräftigere Kompression und eine sehr häufig eingesetzte Klasse bei behandlungsbedürftigen Venenerkrankungen. Die KKL 1 enstrpicht 18–21 mmHg und KKL 2 23–32 mmHg Fesselduck.
Je nach Krankheitsbild kommen auch stärkere Kompressionsklassen zum Einsatz – in diesem Fall werden Sie aber von Ihrem Arzt genau informiert.
Und noch ein wichtiger Unterschied: Bei medizinischen Kompressionsstrümpfen wird exakt gemessen. Knöchel, Wade, gegebenenfalls Oberschenkel und Beinlänge müssen zur gewählten Grösse passen. Bei besonderen anatomischen Verhältnissen sind sogar individuell angefertigte Massstrümpfe möglich.
Stützstrumpf oder Kompressionsstrumpf? Der direkte Vergleich
| Stützstrümpfe | Medizinische Kompressionsstrümpfe | |
|---|---|---|
| Hauptzweck | Vorbeugung & Wohlbefinden | Medizinische Therapie |
| Für wen? | Vorwiegend venengesunde Personen | Bei entsprechender medizinischer Indikation |
| Typischer Einsatz | Büro, Reisen, langes Stehen/Sitzen | Krampfadern, Ödeme, Venenerkrankungen etc. |
| Druck | Je nach Produkt unterschiedlich | Medizinisch definierter Druck |
| Druckverlauf | Nicht zwingend medizinisch definiert | Kontrolliert, vom Knöchel nach oben abnehmend |
| Grössenwahl | Häufig Schuhgrösse/Standardgrössen | Exakte Beinmasse |
| Kompressionsklassen | Nein | Ja, KKL 1–4 |
| Verordnung | Nein | Kann ärztlich verordnet werden |
Wann brauchen Sie nun was?
Hier mache ich es Ihnen ganz einfach.
Sie fliegen nach Amerika oder stehen den ganzen Tag am Empfang?
Ihre Venen sind gesund, aber nach einem langen Arbeitstag fühlen sich Ihre Beine müde und schwer an? Oder Sie möchten auf einer langen Reise verhindern, dass Ihre Knöchel unangenehm anschwellen?
Dann müssen Sie nicht automatisch zum medizinischen Kompressionsstrumpf Klasse 2 greifen. Ein guter Stütz- oder Reisestrumpf kann für solche Situationen die passende Wahl sein. Gerade bei langen Reisen ist Bewegung trotzdem wichtig: regelmässig aufstehen, die Füsse bewegen und längere Phasen völliger Bewegungslosigkeit vermeiden.
Sie haben Krampfadern oder regelmässig deutlich geschwollene Beine?
Wenn Ihre Beine deutlich anschwellen, Schmerzen auftreten, ausgeprägte Krampfadern bestehen oder bereits eine Venenerkrankung diagnostiziert wurde, sollten Sie nicht einfach irgendeinen Stützstrumpf bestellen.
Hier gehört die Ursache abgeklärt und anschliessend die passende medizinische Kompression gewählt. Das gilt insbesondere auch nach einer Thrombose oder bei ausgeprägten Ödemen.
Und was ist nun «besser»?
Diese Frage höre ich ebenfalls oft. Die Antwort lautet: Keiner von beiden ist grundsätzlich besser. Ein Stützstrumpf ist nicht die «schlechtere Version» eines Kompressionsstrumpfs. Er hat schlicht eine andere Aufgabe.
Wenn Sie gesunde Venen haben und Ihren Beinen bei langen Arbeitstagen oder auf Reisen etwas Gutes tun möchten, kann ein hochwertiger Stützstrumpf genau richtig sein. Besteht dagegen eine medizinische Indikation, brauchen Sie eine Versorgung mit definiertem Druck und passender Kompressionsklasse. Dann ist ein gewöhnlicher Stützstrumpf kein gleichwertiger Ersatz.
Und umgekehrt müssen Sie auch nicht mehr Kompression tragen, als Sie tatsächlich benötigen.
Mein Fazit: Erst klären, dann den richtigen Strumpf wählen
Wenn Sie aus diesem Beitrag nur einen Gedanken mitnehmen, dann diesen: Wählen Sie nicht nach dem Namen auf der Verpackung, sondern danach, was Ihre Beine tatsächlich brauchen.
Für gesunde Beine, Reisen und lange Tage sind Stütz- und spezielle Reisestrümpfe wunderbare Begleiter. Bei einer bestehenden Venenerkrankung gehören medizinische Kompressionsstrümpfe mit der richtigen Kompressionsklasse und Passform ins Spiel.
Und falls Sie jetzt vor unserem Sortiment sitzen und denken: «Schön und gut, Sylvie – aber welcher ist denn nun meiner?» Dann melden Sie sich einfach bei uns. Wir helfen Ihnen gerne bei der Auswahl.
Oder Sie stöbern direkt durch unser Sortiment auf kompressionsstruempfe.ch und entdecken, wie unterschiedlich moderne Stütz- und Kompressionsstrümpfe heute aussehen können.
Wer Kompressionsstrümpfe trägt, kennt das Jucken, Brennen oder Rötungen am Abend – besonders unter dem Haftband. Der erste Impuls ist meist Allergie oder Ausziehen. Doch in den meisten Fällen steckt ein ganz anderes, leicht behebares Problem dahinter.
Hier geht’s zum Beitrag Hautreizungen durch Kompressionsstrümpfe – warum sie entstehen und wie man sie loswird
